Widersprüche sind keine Fehler - sie sind der Weg!

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich gerne die Spannungsfelder und scheinbaren Widersprüche in meinem Leben auflösen. Ich liebe Struktur, Planung und Disziplin, mein Alltag ist jedoch geprägt von ständiger Veränderung, ungeplanten Momenten und kreativem Chaos. Ich bevorzuge die Zurückgezogenheit und Stille, als Künstlerin bin ich dagegen herausgefordert, mein Innerstes nach aussen zu tragen. Mein jüngstes Programm heisst «Die Stille hörbar machen». Die Musik, die ich in meinem Inneren höre, ist aber oft laut, roh und wild.
(ungekürzte Fassung meines Artikels für das Canisuswerk in Wien)

Die Liste der Gegensätze lässt sich problemlos erweitern: Mit 20 studierte ich Geschichte und Politikwissenschaft und arbeitete zehn Jahre im Bereich Sicherheitspolitik. Dann entschied ich mich, meiner künstlerischen Spur zu folgen. Seither bin ich als freischaffende Musikerin unterwegs. Auch meine geistliche Biografie ist von vielen Stationen geprägt: evangelikal aufgewachsen, charismatisch geprägt, von Theologen unterschiedlichster Richtungen umgeben, im Herzen immer die Sehnsucht der urchristlichen Gemeinschaft tragend. Vor zwei Jahren wurde ich katholisch.
Das liest sich vermutlich nach einem inkonsequenten Lebenswandel. Für mich hat es sich lange so angefühlt.
Unterdessen verstehe ich, dass die Widersprüche und Spannungsfelder, die das Leben mit sich bringt, nicht Folgen von Fehlentscheidungen sind, sondern als Wegweiser dienen, die mich immer näher zu meinem wahren ICH führen.
Wenn wir uns in einer Lebenssituation wiederfinden, die keinen Sinn mehr ergibt und alles plötzlich widersprüchlich scheint, dann stellen sich unweigerlich die Fragen:
Was will ich? Was brauche ich? Was kann ich?
Als Musikerin, Künstlerin und Coach begleiten mich diese Fragen schon ein Leben lang. Nach einem Total-Zusammenbruch vor einigen Jahren war ich herausgefordert, die Weichen neu zu stellen. Die Entdeckungen, die ich dabei machte, waren bahnbrechend für mich.
Ich erkannte allmählich: Musik und geschriebene Worte sind Ausdrucksformen meiner Seele, die sich seit der Kindheit durchziehen. Sie haben nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine spirituelle, therapeutische und geschichtliche Komponente. Sie vereinen meine verschiedenen Anteile zu einem einzigartigen Bild. Ich bin Musikerin, Coach, Gott-Suchende und Historikerin in einer Person.
Mein Künstlername Keila (Sounds & Words of Keila) steht für «Zitadelle» (Festung, hebräisch), Hüterin der Schlüssel (irisch) und die, die Menschen zusammenbringt (Brasilien).
Alles, was ich tue, zielt auf Gemeinschaft ab.
Meine Vergangenheit in den Politikwissenschaften und meine Sehnsucht, Gott zu begegnen sind nicht zusammenhangslos. Als ChristInnen sind wir heute mehr denn je herausgefordert, Mystik und Politik zu vereinen, unsere Verantwortung in der Welt wahrzunehmen und Hoffnungsträger:innen zu sein.
Die verschiedenen Stationen eines Lebens sind keine Wildtriebe, die ausgerissen werden sollen, sondern Jahresringe, die uns stetig wachsen und reifen lassen. Als weltliche Künstlerin und geistliche Nomadin stehe ich zwar oft «auf der Türschwelle» und fühle mich nirgends so richtig zugehörig. Gleichzeitig macht es mich zu einer Brückenbauerin zwischen Kirche und Welt und einem Zugangsort für die verschiedensten Menschen und Anliegen.
Lebens-Brüche laden uns ein, näher hinzuschauen.
Wo ist der rote Faden, der sich durch mein Leben zieht? Was sind die Silberfäden, die das scheinbar Unspektakuläre meiner Biografie zusammenhalten und zu einem immer dichteren, einzigartigen Bild verweben?
Im vermeintlich Widersprüchlichen und Unvereinbaren finden wir oft das, was als das «Neue» und «Einzigartige» fruchtbar gemacht werden kann. Spannungsfelder halten uns dazu an, in die Dehnung zu gehen, innerlich nicht zu bequem zu werden, sondern der inneren Unruhe nachzugehen, sie zu befragen und mit den Antworten neue Türen aufzuschliessen.
Umbrüche sind Momente der äussersten Verletzlichkeit, aber auch der dichtesten Entwicklung. Sie machen uns durchlässiger für das Geheimnis des Lebens und das Göttliche, das durch uns fliessen will.
Anselm Grün sagte einmal zu mir:
«Du bist ein Kanal. Alles, was du machen musst, ist offenbleiben.»
Lajescha Dubler wohnt in der Schweiz. Als Musikerin, Produzentin und Coach ist sie im In- und Ausland tätig. Ihre Musik und Texte sind unter soundsofkeila.com und wordsofkeila.com auffindbar. Anfragen für Begleitung/Coaching und Workshops gerne über das Kontaktformular von dieser Seite.




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