Ich will LEBEN!
- Lajescha Dubler

- vor 18 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
«Die wichtigste Erkenntnis, die ich in dieser Zeit gewonnen habe, betrifft nicht meine Arbeit, sondern mein Verständnis vom Leben selbst. Mir ist klar geworden, wie unglaublich kurz unsere Zeit wirklich ist und wie entscheidend es ist, jeden einzelnen Moment zu geniessen.» (Juliana)
In meiner Tätigkeit als Künstlerin, Coach und Pädagogin erhalte ich in unterschiedlichsten Kontexten immer wieder Einblick in bewegende Lebensgeschichten. Juliana, Leonita und Alicia sind drei Frauen, die ich in den vergangenen Jahren begleiten durfte.
Als ich sie kennenlernte, waren sie Mädchen. Unsicher, neugierig, verletzlich, verspielt, rebellisch. Gemeinsam war ihnen, dass sie sich schon in jungem Alter grossen Herausforderungen stellen mussten: Depression, Tod, Verlust, Krankheit, chronischen Schmerzen und Ausgrenzung.
«Als der Mensch starb, der mir alles bedeutet hatte, ging ein Teil von mir mit ihm. Von diesem Moment an verlor die Welt ihre Farben. Was einst bunt und voller Leben war, wurde grau und still. Nichts fühlte sich mehr richtig an, und jeder Tag wurde zu einem Kampf gegen die Dunkelheit in mir.»
(Leonita)
Gemeinsam ist diesen Frauen, dass sie sich ihren Herausforderungen mutig stellten. Nicht Rückzug in die Dunkelheit, sondern aktive Auseinandersetzung - nicht liegen bleiben, sondern immer wieder aufstehen. Vor allem aber das: Ja zum Leben sagen!
«Statt bewusst zu leben, überleben die meisten Menschen nur. Sie funktionieren innerhalb eines Rahmens, den andere vorgegeben haben und schieben ihr Glück auf irgendwann.»
(Juliana, 23 Jahre)
Im Rahmen einer Abschlussarbeit mussten diese Frauen die zurückliegende Zeit eingehend reflektieren. Die Erkenntnisse, die sie daraus zogen, berührten mich tief: Die Weisheit, Klarheit und Stärke, die sich in ihren Worten spiegelten, brachten mich selbst zum Nachdenken.
«Die Krankheit hat mein Leben verändert. Viele Herausforderungen, grosse Verantwortungen und Stärke musste ich bereits früh lernen. (…) Auch wenn ich präsent sein muss und funktionieren muss, habe ich nach Jahren gelernt meine eigenen Grenzen zu akzeptieren und geduldig mit mir zu sein, auch wenn ich es manchmal vergesse. Wenn ich nicht kann, ist das in Ordnung, ich zeige Stärke auf meine eigene Weise und lerne mich selbst mit Geduld und Fürsorge zu tragen.»
(Alicia, 20 Jahre)
In diesem Blog möchte ich einen Audio-Beitrag mit euch teilen, den eine dieser Frauen aufgenommen hat. Ihre Worte stehen stellvertretend für das, wozu wir alle aufgerufen sind: Das Leben zu LEBEN. Mit all seinen Herausforderungen, allen Begrenzungen, inmitten von Schmerz und Sehnsucht, Dunkelheit und Licht.
«Auch wenn die Schmerzen weiterhin Teil meines Lebens sind, versuche ich kleine Momente der Freude bewusst zu genießen und wertzuschätzen. Ich habe verstanden, dass es nicht Schwäche ist Hilfe anzunehmen oder mal nicht funktionieren zu können. Ich denke darin liegt meine stille Stärke. Vielleicht ist das die wichtigste Lektion, die mir diese Krankheit bis heute gegeben hat, zu erkennen das meine Stärke nicht von meinem Durchhalten abhängt, sondern davon, dass ich trotz allem meinen Weg gehe.»
(Alicia)
Die Geschichte dieser Frauen ist auch meine Geschichte – und ich glaube, die Geschichte vieler Menschen. Als ich sie fragte, ob ich ihre Erzählungen mit meinen Blog-LeserInnen teilen dürfe, leuchteten ihre Gesichter auf. JA! Vielleicht rührte ich damit etwas an, was ich in einem vergangenen Beitrag geschildert hatte: Schau mich an. Hör mir zu. Berühr mich.
Wenn wir unserer Geschichten teilen, können wir zum Portal, zu Wegweisern und zu Quellen der Hoffnung für andere werden. Alles, was wir durchleiden müssen, dient auch anderen. Nur wenn wir durchlässig werden für die Realität unserer Mitmenschen, ist wahre Begegnung und Gemeinschaft wirklich möglich. Und damit das Leben selbst.
Gemeinsam mit diesen drei Frauen – die stellvertretend für viele weitere stehen – hoffe ich, liebe Leserinnen und Leser, dass ihr euch von diesen Worten berühren und bewegen lässt. Dass sie euch ermutigen, EURE Geschichte zu erzählen, und ihr – ungeachtet der Umstände – den Mut findet, JA zum Leben zu sagen.
Hier Audiobeitrag anhören! (Youtube)





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