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  • AutorenbildLajescha Dubler

B wie Beziehung

"Beziehung ist immer ein Tanz zwischen Nähe und Distanz." Während ich diese Worte auf meinem Handy eintippe (ja, ich schreibe fast alle meine Texte mit dem Zeigefinger auf meinem Display;-), fällt mir zum ersten Mal auf, dass das Wort "Tanz" im Wort "Distanz" vorkommt. Aber eigentlich gehen mir gerade ganz andere Gedanken durch den Kopf, die ich auf Papier, i.e. Display, bringen möchte.



Image courtesy by Legacy at Byron


Bereits vor einem Jahr habe ich einen Text zum Thema "Beziehung" geschrieben. Eigentlich wollte ich ihn diese Woche nochmals neu veröffentlichen. Nicht, weil ich schreibfaul geworden bin, sondern weil ich ihn nach wie vor ziemlich gut finde.


Aber "Beziehung" in allen ihren Facetten bewegt mich in diesen Tagen wieder einmal neu und anders und mir werden viele Dimensionen zum ersten Mal bewusst. Die vordergründigste ist wohl das "Loslassen".


Wenn man verliebt ist, möchte man oft in erster Linie festhalten, vollumfänglich für sich beanspruchen, alles wissen, alles verstehen, das Schmerzhafte verhindern und immer nur das Beste für den anderen bewirken.

Doch bevor wir es merken, wird es einengend, erstickend, bedrängend, fordernd, bevormundend, klammernd. Schneller als uns lieb ist, landen wir in einer ungesunden Abhängigkeit ("Co-Dependency" wie die Psychologie so schön sagt), wo wir die Verantwortung für unser eigenes Leben an das Gegenüber abgeben, oder es für den anderen übernehmen.


Beziehung ist immer ein Tanz zwischen Nähe und Distanz.

Wie oft gehen wir eine Beziehung ein und vergessen, dass wir diesen Tanz zuerst gemeinsam erlernen müssen. Er ist nicht einfach gegeben, sondern findet auf der Tanzfläche unseres Alltags statt: Wo gehen wir aufeinander zu, wo lassen wir einander wieder los, wie oft, wann und in welcher Form findet Begegnung und gemeinsame Aktivität statt.


Die meisten von uns tanzen diesen Tanz eher mittelmässig. Während sich die einen kaum mehr loslassen können, wirbeln die anderen oft den ganzen Abend unabhängig voneinander auf der Tanzfläche herum und merken dabei nicht, wie sie den Kontakt zum anderen völlig verlieren.


Dazwischen gibt es wohl alle Facetten. Manche bleiben im ewigen Slow Dance fast stehen und schlafen langsam ein, andere treiben sich im pausenlosen Jive an die gegenseitigen Grenzen. Am Ende der Party treffen sie sich erschöpft und merken plötzlich, dass sie keine Ahnung haben, was der andere erlebt hat.


Beides gefährdet die Beziehung: Zu viel Nähe, aber auch zu viel Distanz.

Dabei haben wir doch tief in uns alle die Sehnsucht, diesen Tanz immer besser zu lernen und zu definieren. Was gibt es schöneres, als dem unwiderstehlichen Tanz bei "Dirty Dancing" zuzuschauen? Eigentlich ist der Titel des Kult-Films gar nicht passend - es hat nämlich überhaupt nichts "schmutziges" an sich.


Dieses Locken, Aufeinanderzugehen, wieder Abwenden, einander umwerben, aber auch wieder stolz Schritte in die eigene Richtung zu machen, das vertrauensvolle Aufeinanderzurennen und in den Armen des Anderen aufgefangen zu werden, aber auch der lockere Tanz, der das Umfeld miteinbezieht und die eigene Beziehung wieder in ein grosses Ganzes einfügt. Das… das wäre doch der Tanz, der unsere Beziehung befruchten, immer wieder erneuern, aber vor allem beiden genug Raum und Luft zum Leben geben würde.


Aber so oft sind wir eben noch wie "Baby" und Johnny. (Hauptdarsteller im Film). Wir sind in unseren Kinderschuhen stecken geblieben, noch nicht richtig erwachsen, haben unsere Verletzungen von früheren Beziehungen und aus der eigenen Geschichte nicht richtig verarbeitet - und tragen dann alles in unsere Partnerschaft mit rein.

Der Tanz zwischen Nähe und Distanz ist wohl einer der schwierigsten Formen, die wir in unserem Dasein erlernen müssen/dürfen/können. Es ist ein Tanz, der unendlich ausbaubar ist und immer mehr an Tiefe gewinnen kann. Aber wenn wir nicht stetig dranbleiben, verlernen wir ihn und stossen unsanft auf der Tanzfläche ineinander oder stehen dem Gegenüber auf die Füsse. Es ist ein bisschen wie mit dem Geigenspiel, an dem ich mir seit rund 1.5 Jahren die Zähne ausbeisse: Wenn ich nicht täglich übe, kommt es schnell zu Misstönen und unschönem Gekratze.


Das Investment lohnt sich. Letztendlich ist der Beziehungstanz einer der schönsten und lohnenswertesten Tänze, die wir lernen dürfen. Weil er in uns eine Lebendigkeit und Schönheit wecken kann, die fast unübertreffbar sind.

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